In Gedenken an Benazir Bhutto
Wenn man von Islamismus spricht, fühlt man sich heutzutage nicht selten genötigt, hinzuzufügen, dass es sich nicht um einen Versprecher handele, sondern, dass man tatsächlich Islamismus meine und nicht Islam. Islamisten sind fundamentalistische Muslime, die eine radikale und gewaltbereite Auslegung und Praktizierung der islamischen Religion durchsetzen wollen. Seit zehn, zwanzig Jahren verbreiten islamistische Terroristen in bald allen Teilen der Welt durch Anschläge auf Zivilisten ihre Botschaft: "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod." Sie hassen Demokratie, sie hassen Freiheit und damit hassen sie übrigens auch Religionsfreiheit und sie hassen multikulturelle Gesellschaften. Sie vollbringen ihre mörderischen Taten im Namen des Islam.
Der Islam ist Teil des Problems. Der türkische Sachbearbeiter am Schalter der Bahn dagegen nicht. Und genau hier wird die Sache für viele Menschen sehr, sehr kompliziert. Denn sie meinen, wenn man von islamistischer Gewalt spräche, würde dies unschön sein gegenüber dem türkischen Bahn-Mitarbeiter und gegenüber den anderen friedlichen Muslimen ebenso. Manche meinen gar, allein in der Rede von islamistischer Gewalt schon Islamophobie zu erkennen. Überhaupt wird gern vor Islamophobie gewarnt. Was hier passiert ist Folgendes: Eine angebliche Islamophobie wird zum Problem gemacht, während der islamistische Terrorismus und damit auch dessen Opfer ignoriert werden. Und genau dieser Art von Ignoranz, die hier bei uns im gemütlichen und freien Westen mehr und mehr Verbreitung gefunden hat, ist Benazir Bhutto zum Opfer gefallen. Es ist eine Schande!
Freunde der offenen Gesellschaft: Benazir Bhutto
Henryk M. Broder: Selbstmord aus Angst vor dem Tode
Bassam Tibi: Die islamische Herausforderung
Navid Kermani: Das Deutsche und das Fremde (mp3)






18 Kommentare:
lieber christoph,
diese "angebliche Islamophobie" lässt sich wunderbar studieren an den kommentaren in dem für manche "lesenswerten" blog pi. hier bricht sich das gesunde volksempfinden in ganzer epischer breite bahn. dass aber der türkische bahn-sachbearbeiter als "kulturbereicherer" das alles lustig findet, darf doch wohl auch bezweifelt werden.
e.a.
Lieber E.A.!
Dass auf PI tumber Islamhass stattfindet, ist klar. In meinem Dunstkreis findet auch niemand PI lesenswert. PI findet wohl kein vernunftbegabter Erdenbewohner lustig.
Das Problem aber, lieber E.A., ist nicht Islamophobie auf einer Internetseite wie PI, sondern echte Menschen mordender Terrorismus im Namen des Islam.
Gruß, C.
"PI findet wohl kein vernunftbegabter Erdenbewohner lustig."
dein wort in den ohren deines "Dunstkreises", lieber christoph. "lesenswert" ist ein originalzitat aus demselben. ich weiß im moment nur nicht mehr genau wo.
im übrigen hast du ja nicht unrecht.
e.a.
Warum bleibt bei Muslimen kulturelle Abgeschlossenheit über mehrere Einwanderergenerationen bestehen ? Ein starker Faktor sind die arrangierten Heiraten mit sprachunkundigen Partnern aus dem Herkunftsland, wenn eine/r hier aufwuchs und sich eingelebt hat, wird das durch eine solche Ehe gleich wieder in Frage gestellt. Man sieht zwar zunehmend Mädchen mit Kopftuch auf der Uni, sie sind sehr fleißig und ziehen ihre Ausbildung durch, heiraten dann aber sofort (und ohne Versuch ihre Ausbildung umzusetzen) einen Cousin aus der Türkei, Lagerarbeiter, und sind fortan ausschließlich Hausfrau und erziehen die Kinder sehr religiös. Akkulturation gibt es nur auf der materiellen Ebene. Die Gruppe der Fremdbleibenden wächst auf diese Art ständig und auch die Mythen über unüberwindbare Diskriminierung und Ressentiment wuchern.
Bei kleineren Einwanderergruppen aus anderen islamischen Ländern (Afghanistan, Pakistan, Tschetschenien) besteht dieses Problem nicht; sie sind motiviert hier die Sprache zu lernen und beobachten auch die Umwelt mit Interesse,weil sie nicht in eine ethnische Subkultur die alle Lebensbereiche umfasst, eintreten können.
In London, wo die Gruppen aus Pakistan und Afghanistan sehr groß sind, allerdings auch das gleiche Abschließungssyndrom.
Langsam sehe ich auch das Kopftuch etwas kritischer: zwischen Habitus und Ideologie bestehen doch innigere Verbindungen als wir wahrhaben wollten.
Liesel
Die erste Information über die Ermordung, die ich im Fernsehen gehört habe, war die Erklärung, dass Benazir Bhutto, um der Detonationswelle zu entgehen zur Seite gesprungen ist. Dabei schlug sie mit ihrem Kopf an eine Türangel eines Fahrzeuges.
Diese Erklärung habe ich nur ein Mal gehört. Seit dem höre ich nur noch von der Ermordung, von dem Attentat.
Wie viel bzw. was will mir die Presse zum Fressen geben? Was sind die tatsächlichen Hintergründe.
Ich will dadurch nichts beschönigen oder womöglich negieren. Vielmehr frage ich nach den Zusammenhängen geistiger Intentionen innerhalb dieser Familie! Sie ist das vierte Mordopfer! Was verbindet diese Familie in ihrem Vorgehen, Demokratie in ein Land zu bringen? Welche Opfertaten muss sie auf sich nehmen? Welche Hürden bzw. welche geistigen Hindernisse stehen ihnen im Wege?
Solche Gedanken bewegen mich seit ich von dieser Tatsache gehört habe.
Elisabeth
@ elisabeth
das mit der türangel kam hier gan öffentlich in den nachrichten, auch die vermutung, dass es geheimdienst ausgelöst udn islamisten nur vorgeschoben werden. es passt musharraf in den plan.
@liesel,
das gilt auch z.b für eingewanderte russlanddeutsche, dies ich nicht sprachlich assimilieren und wenn ich mir heute die alevitenproteste gegen einen tatort ansehe, wo ist der unterschied zu den muslimischen protesten ausser in der menge?
wir bekommen hier ein massives problem, wenn jede kultur ihre eigenheiten und anforderungen an toleranz nur ihr gegenüber von allen anderen nur sich den anderen gegenüber nicht fordert.
@ Barbara
Aleviten rechne ich zu den Muslimen und Rußlanddeutsche konnte ich hier(Ö) nicht beobachten; aber ich stelle nur bei Türken diese Fremdheit fortsetzende Heiratspolitik fest. Natürlich bleiben und heiraten auch die anderen muslimischen Einwanderer bevorzugt untereinander, aber sie organisieren das nicht, können es auch nicht, da sie überwiegend Flüchtlinge sind. Mit dieser (von Predigern geforderten) Endogamie ist auch aggressive und narzißtische Abwertung des Anderen verbunden. Da ich auch liberale türkische Muslime (kein Kopftuch, Frauen studieren und arbeiten) beobachten konnte: da wird unter hier geborenen Einwanderern geheiratet, Assimilation setzt sich so über die Generationen fort; westliche Freiheit wird geschätzt und mit Loyalität beantwortet.
Erstaunlicherweise sind alte (knapp vor der Pension und im Dilemma: dann heimgehen, hier bleiben?)türkische Arbeitsemigranten, die ohne Familie hier gelebt haben und es eigentlich am schwersten bei uns hatten, am allerfriedlichsten; Radikalisierung und Reidentifikation stelle ich erst bei 45 und jünger fest und denke, daß das mit organisierter Beeinflussung und türkischer Innenpolitik zusammenhängt.
Liesel
Lieber Goy,
hab eine ausführliche Erläuterung gepostet aber offenbar das "Liesel" am Ende vergessen, so daß es nicht durchs Nadelöhr kam ...
Auch heute, drei Tage nach Benazir Bhuttos Tod, ist der Westen sehr schweigsam. Abgesehen von ein paar Beileidsbekundungen, kommt nichts, das den Demokraten in Pakistan helfen könnte. Den Sohn als Nachfolger zu bestimmen, halte ich für die richtige Wahl. Er ist der Sohn von Benazir und der Enkel von Zulfikar Ali Bhutto - dieser Herkunftsfaktor spielt eine große Rolle. Hoffen wir, dass er lange lebt.
"Den Sohn als Nachfolger zu bestimmen, halte ich für die richtige Wahl."
Was ht denn das mit Demokratie zu tun?
Stell die vor, die SPD würde aus ähnlichen Gründen eines Tages den Sohn von Kurt Beck nominieren...
Robert
Kurt Beck hat einen Sohn?
Wie auch immer, in der Tat vemag auch ich nichts Gutes daran zu sehen, dass ein 19-jähriger, der kaum mehr zu sein scheint als eine Marionette seines doch etwas zwielichtigen Vaters, die Geschicke der PPP und eventuell eines ganzen Landes bestimmen soll. Nur weil seine Herkunft seine Wahlchancen erhöht, muss man nicht gleich begeistert sein.
Und was bitte erwartest Du vom "Westen"? Hast du den Anit-Terrorkampf vergessen?
Wie auch immer, ein schönes neues Jahr aus der Neuen Welt,
PJ
Elisabeth fragt sich "nach den Zusammenhängen geistiger Intentionen innerhalb dieser Familie". "Sie ist das vierte Mordopfer! Was verbindet diese Familie in ihrem Vorgehen, Demokratie in ein Land zu bringen? Welche Opfertaten muss sie auf sich nehmen? Welche Hürden bzw. welche geistigen Hindernisse stehen ihnen im Wege?"
Vielleicht sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass Bhutto nicht ganz die demokratische Heldin ist, zu der sie gerade stilisiert wird. In Musharraf hatte sie zwar einen Gegenspieler, der den eigenen Führungsanspruch durch sein von den USA offen gestütztes antidemokratisches Machtbeharren untergraben hat. Dass sie jetzt neben ihrem Bruder beigesetzt wird, nehme ich allerdings mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis, soll sie doch für seine Ermordung verantwortlich sein.
Ganz so schwarz-weiße Bilder lassen sich über die Zustände in Pakistan (wie vielerorts auf der Welt) nicht zeichnen. Daher - Vorsicht vor vboreiligem Schubladendenken und Schuldzuweisungen ...
Als spannenden Beitrag zur Islam-Islamismus-Integrationsdebatte kann ich den folgenden Podcast vom DLF: "Der Deutsche und das Fremde": Der Autor Navid Kermani lebt als Muslim in Deutschland. Für die Sendung "Hintergrund" setzt er sich kritsch mit Fragen der Identität, dem Islam in Europa und der Integration auseinander. "Dieses Land, die Bundesrepublik, hat eine gewaltige Integrationsleistung vollbracht", sagt Kermani. Und dabei habe Deutschland über Jahrzehnte keinerlei Integrationspolitik betrieben, sondern eher eine Integrationsverweigerungspolitik.
http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/12/30/dlf_20071230_1840_2e84af5c.mp3
Ähm, Willyam? Den DLF-Link hatte ich schon vorgestern gepostet. Trotzdem: Danke für den Tipp.
@PM: Von "Begeisterung" für ihren Sohn als Chef der PPP war nicht die Rede. Die PPP ist die Bewegung, die am ehesten für Demokratie eintritt und wenn er ihr zum Wahlsieg verhelfen kann, freut mich das.
In "zwielichtige" Angelegenheiten verstrickt zu sein. Scheint in Pakistan die Nähe zur Macht, wie sie bei Familie Bhutto gegeben ist, mit sich zu bringen.
Oh ... den Linktitel habe ich wohl beim Überfliegen nicht ganz mitgelesen, und nachdem er bei mir nicht aufgerufen werden konnte, bin ich meine Podcastliste durchgegangen und habe zu meiner Freude dann besagten Herrn Kermani gehört und empfohlen. Sorry für die Verwirrung.
Was die Frage nach dem Demokratieversprechen betrifft: Mag sein, dass die PPP die "am ehesten" demokratisch eingestellte Partei ist, die der Bevölkerung zur Wahl steht - Demokraten sind die von ihr aufgestellten Kandidaten damit lange noch nicht. Die Verwicklung in "zwielichtige Angelegenheiten ist allerdings keineswegs "typisch" pakistanisch. Wenn man eine verallgemeinernde Einschätzung formulieren darf, dann den Hinweis darauf, dass die gelebte Diskrepanz zwischen Wahlrhetorik und tatsächlicher Machtausübung ein Phänomen vieler, wenn nicht der überwiegenden Mehrheit ehemaliger europäischer Kolonien ist. Sicherlich: Pakistan ist das politische Ergebnis einer religiösen Spaltung. Dennoch würde ich wagen, gewisse Parallelen zwischen den aktuellen Geschehnissen in Kenia und Pakistan zu ziehen.
"Political systems [...] were recent transplants. Africans had little experience of representative democracy - representative institutions were introduced by the British and French too late to alter the established character of the colonial state. The more durable imprint they left behind was of authoritarian regimes in which governors and their officials wielded enormous personal power. [...] Traditions of autocratic governance, paternalism und dirigism were embedded in the institutions the new leaders inherited. [...] The state was regarded as a foreign institution that could be used for personal and community gain without any sense of shame or need for accountability."
Martin Meredith, The State of Africa: A History of Fifty Years of Independence. London: The Free Press, 2005, S. 153-154; 174.
"Vielleicht sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass Bhutto nicht ganz die demokratische Heldin ist, zu der sie gerade stilisiert wird. In Musharraf hatte sie zwar einen Gegenspieler, der den eigenen Führungsanspruch durch sein von den USA offen gestütztes antidemokratisches Machtbeharren untergraben hat. Dass sie jetzt neben ihrem Bruder beigesetzt wird, nehme ich allerdings mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis, soll sie doch für seine Ermordung verantwortlich sein."
@Willyam
Siehst du dahinter keine geistigen Zusammenhänge? Ich sehe regelrecht "Gewalten" sich ausdrücken; vielleicht zu viel Machtgelüste, könnte man auch sagen ...
Elisabeth
@Elizabeth:
Was genauer möchtest Du andeuten, wenn Du von "geistigen Zusammenhänge[n]" ausgehst? Spielst Du wie Christoph auf die in Pakistan vielleicht zu sehr korrumpierende "Nähe zur Macht" an?
Auch ich spekuliere sehr stark auf "Gewalten" am Werk - die allerdings sehr viel tiefgreifender reichen als die Streitigkeiten innerhalb der Bhutto-Dynastie (siehe zum aktuellen Stand z.B. http://www.todayonline.com/articles/231225.asp) oder die "traditionellen" Eingriffe in die Selbstbestimmung der Bevölkerung (Electoral fraud is nothing new in Pakistan, which has been led by military rulers for more than half of its 60-year history, and whose politics is dominated by feudal and tribal loyalties (http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/asia/article3116090.ece).)
Gerade weil es um so viel mehr geht, sagt Bhuttos Ehemann wohl: There are many views and many reasons one can think of for her assassination (ebd.).
Einen der vielen möglichen Gründe nennt der zitierte Artikel. Neben Familienintrigen und undemokratischen innenpolitschen Machtstrukturen spuken mir daher immer wieder Nachrichten folgenden Kerns im Kopf herum:
The 42-day drama in Pakistan is far from over; the declaration of emergency and the lifting of emergency are part of a charade, behind which exists a complex power play between Pakistani President Pervez Musharraf, various camps within the military elite, and the US government. The Pakistani people are the least relevant to these calculations, although every player never fails to justify unwarranted actions in their name [...] (http://www.palestinechronicle.com/story-010808165558.htm).
Das erklärt auch meinen früheren Verweis auf die Situtation in Kenia: Auch hier hat die U.S. Regierung Interessen, die sie verteidigt. Der letztere Artikel nennt immerhin andeutungsweise die Höhe der "Entwicklungshilfe", die der Pakistanischen Regierung zufließt.
Das alles klingt schnell nach Weltverschwörung. Ausnahmsweise aber möchte ich in diesem Fall nicht vermuten, dass sich erneut der Vorstand des TelAviver Schwimmclubs eingemischt hat. Die Situation in Pakistan in bösartiger.
@Willyam
Danke für deine Fragen.
Ich kann Dir in Deinen Ausführungen beipflichten.
Ich sehe auf jeden Fall die Gefälligkeit, Macht zu haben. Ich sehe in diesen Familienverstrickungen so etwas wie eine Vereerbungslinie und gegenseitiges Aufstacheln. Das ist eine Welt für sich.
Ich weiss nicht, wie weit und wie klar, im Sinne von genau, exakt, man die Interessen der U.S. Regierung verfolgen kann bzw. in oder aus welchen Kanälen was initiert, intendiert wurde.
Ich wäre vorsichtig mit dem Ausspruch: das klingt wie eine Weltverschwörung.
Ich sehe das Gewicht der Auswirkungen nicht global. Ich hoffe, ich habe recht.
Elisabeth
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